
Während Taiwan in der deutschen Öffentlichkeit häufig vor allem außenpolitisch wahrgenommen wird, bleibt der Blick auf die inneren gesellschaftlichen und kulturellen Perspektiven oft begrenzt. Der Sammelband Wandernde Berge möchte dies ändern und eröffnet deutschsprachigen Leser:innen einen literarischen Zugang zu den vielfältigen Lebenswelten der indigenen Bevölkerung Taiwans.
Die Anthologie versammelt Kurzgeschichten indigener Autor:innen, die ihre Erfahrungen zwischen Tradition und Gegenwart, Herkunft und Urbanisierung, kulturellem Verlust und Wiederaneignung literarisch verarbeiten. Zentrale Themen sind unter anderem indigene Mythen und Sprachen, familiäre und soziale Umbrüche, Entfremdung und Identität, aber auch Selbstbehauptung und kulturelle Kontinuität in einer jungen, lebendigen Demokratie.
Viele der Autor:innen verstehen sich zugleich als kulturelle Mittler zwischen der indigenen Bevölkerung und der Han-chinesischen Mehrheitsgesellschaft. Ihre Entscheidung, auf Chinesisch zu schreiben, ist dabei bewusst gewählt: Literatur wird zum Ort des Dialogs und der Selbstrepräsentation.
Der Band basiert auf 16 ausgewählten Kurzgeschichten aus dem Umfeld des taiwanischen Literaturpreises für indigene Autor:innen und spiegelt die Vielfalt indigener Perspektiven über Ethnien, Generationen und literarische Formen hinweg wider. Ergänzt wird der Sammelband durch ein Vorwort von Lin Yimiao sowie ein Nachwort von Dirk Kuhlmann, die den literarischen und historischen Kontext einordnen.
Wandernde Berge versteht sich als Beitrag zur Sichtbarmachung indigener Stimmen in der deutschsprachigen Taiwan-Rezeption – und als Einladung, Taiwan aus einer bislang wenig beachteten Innenperspektive kennenzulernen.
